Warum die Steuerreform ein historischer Meilenstein ist
Ende Oktober 2025 hat das zyprische Parlament nach jahrzehntelanger Diskussion endlich einer tiefgreifenden Steuerreform zugestimmt, die – so die Regierung – das Land auf eine gerechtere, modernere und wirtschaftlich nachhaltige Basis stellt. Insgesamt 33 Änderungen wurden aufgenommen, viele umstrittene Passagen entfernt, neue Schutzmechanismen eingeführt. Die letzte große Steueranpassung liegt 22 Jahre zurück. Nun stellt sich Zypern für internationale Märkte, lokale Unternehmen und Privathaushalte neu auf.
1. Ziel der Reform: Balance zwischen Steuergerechtigkeit und Wirtschaftswachstum
Die Vorgaben der Regierung sind ambitioniert: Mit der Reform soll das Steuersystem gerechter werden und sowohl niedrige Einkommensschichten als auch die Mittelklasse stärker entlasten. Gleichzeitig bleiben Investoren und Unternehmer durch gezielte, internationale Anreize willkommen. So will Zypern seine Attraktivität als Wirtschaftsstandort und Steuerdomizil innerhalb Europas und über dessen Grenzen hinaus behaupten.
2. 33 Änderungen, 6 Gesetzespakete – Was wurde beschlossen?
Im Zentrum der Reform stehen sechs neu konzipierte Gesetzespakete. Nach langem Ringen und intensiver Beratung wurden insgesamt 33 Änderungen vorgenommen. Viele dieser Neuerungen sind das Ergebnis eines breit angelegten Konsultationsprozesses, in dem Regierung, Steuerinspektorat und verschiedene Interessenverbände beteiligt waren. Entsprechend vielfältig gestalten sich die Maßnahmen:
- Erhöhung der steuerfreien Grundbeträge für alle Privatpersonen
- Einführung einer einkommensabhängigen und familienorientierten Steuerberechnung
- Beibehaltung steuerlicher Vergünstigungen für Privatpersonen
- 14 Maßnahmen für Unternehmen, darunter die Abschaffung bestimmter Dividendenausschüttungsregeln, eine neue Besteuerung von Dividenden, die Anhebung des Unternehmenssteuersatzes und flexible Verlustvorträge
Gleichzeitig sichert die Reform die Einnahmen für den Staat und stärkt die Rechtssicherheit für Unternehmer und Investoren gleichermaßen.
3. Die wichtigsten Punkte für Privatpersonen
a) Höhere Freibeträge, gerechtere Belastung
Die Neuerungen sehen eine deutliche Erhöhung der steuerfreien Beträge vor – je nach Familienstand und Einkommen. Insbesondere Familien mit mehreren Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen profitieren von zusätzlicher Entlastung.
b) Steuervorteile und neue Regeln für Versicherungen
Private Versicherungsbeiträge (außer Lebensversicherung) und spezielle Berufsunfähigkeitsabsicherungen können künftig stärker steuerlich geltend gemacht werden. Auch Beiträge gegen Naturgefahren sind – bis zu einer Höhe von 500 Euro – absetzbar.
c) Kapitalerträge und Sonderregelungen
Zukünftig werden Zinserträge von Einzelpersonen, staatlichen Fonds oder Behörden zwar weiterhin einer Abgabe unterliegen, diese wird jedoch klar von der Einkommenssteuer getrennt (Sonderabgabe). Auch der Freibetrag bei Gewinnen aus Immobilienverkäufen steigt: Für Kapitalgewinne gibt es nun einen Grundfreibetrag von 20.000 Euro, für landwirtschaftlich genutzte Flächen bis zu 30.000 Euro. Der Freibetrag für das Hauptwohnhaus wurde auf 100.000 Euro angehoben.
4. Änderungen für Unternehmen und Investoren
a) Unternehmenssteuern steigen, Flexibilität bei Verlustvorträgen
Der Körperschaftsteuersatz wird ab 2026 von bisher 12,5% auf 15% erhöht – ein Schritt Richtung Steuerharmonisierung im EU-Vergleich. Verluste dürfen jetzt bis zu 7 Jahre rückwirkend angerechnet werden (bisher 5 Jahre).
b) Neue Konzepte für Optionen, Kryptogewinne und Lebensversicherer
Optionen auf Aktien (im Rahmen genehmigter Programme) und Gewinne aus Kryptowährungen werden künftig mit pauschalen 8% versteuert. Versicherer wechseln auf ein einheitliches Modell, das Sonderbehandlung im Bereich der Lebensversicherungen abschafft.
c) Abbau bürokratischer Hürden
Der Stempelsteuersatz wird deutlich vereinfacht und betrifft künftig nur noch Immobilientransaktionen, Versicherungsabschlüsse und größere Finanzgeschäfte.
5. Entlastungen und Förderungen
a) Einmalzahlungen & Sozialleistungen
Einmalzahlungen, Abfindungen oder Kompensationen sind jetzt bis 200.000 Euro steuerfrei – das Zehnfache des bisherigen Freibetrags. Arbeitgeberabfindungen werden mit maximal 20% besteuert.
b) Förderung von Innovation, Börsengängen und Kollektivfonds
Erstmals werden Aufwendungen für den erstmaligen Börsengang an anerkannten Finanzplätzen bis zu 300.000 Euro über drei Jahre steuerlich gefördert. Gewinne von Kollektivfonds werden erst ab 2031 besteuert – damit erhalten Anleger einen fünfjährigen Steueraufschub.
6. Was wurde gestrichen? Konfliktreiche Passagen im Überblick
Mehrere ursprünglich geplante Regelungen wurden aus dem Gesetz entfernt, um Konsens bei Unternehmen und Privatpersonen zu sichern:
- Die Bestimmung, nach der ein Steuerpflichtiger allein wegen umfangreicher geschäftlicher Tätigkeit in Zypern steuerlich ansässig wäre, entfällt.
- Erleichterungen für Vorstände und Geschäftsführer, die steuerlich nicht mehr automatisch mit der Firma gleichgestellt werden.
- Das Prinzip, dass nur solche Betriebsausgaben steuermindernd wirken, die direkt einen Bezug zum zu versteuernden Einkommen haben, wurde gestrichen.
- Einschränkungen für forschungs- und entwicklungsnahe Ausgaben in Kombination mit dem IP-Box-Regime wurden ausgesetzt.
- Veränderungen bei der Unternehmensbeteiligung und Kapitalertragsteuer für immobilienhaltende Firmen wurden nicht ins Gesetz aufgenommen.
7. Schutzmechanismen gegen Steuerflucht und Missbrauch
Im Rahmen der Reform sind verschiedene „Sicherheitsventile“ integriert:
- Mehrstufige Warnungen bei Steuerverstößen, bevor Unternehmen geschlossen werden;
- Verstärkte Überwachung und Kooperation mit internationalen Finanzbehörden;
- Präzise Definitionen für steuerliche Anrechnungen und Ausnahmen
Dadurch erhöht Zypern die Rechtssicherheit für Steuerpflichtige und die Transparenz im System.
8. Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft
a) Stärkung des Mittelstands, Anreize für Rückkehrer und Zuzügler
Die Reform setzt ein Signal an die Mittelschicht und Familien, dass Zypern kein reines Steuerparadies für Großverdiener bleibt. Gleichzeitig bieten die großzügigen Bedingungen weiterhin Anreize für internationale Talente, Unternehmer und Investoren. Auch Rückkehrprogramme für im Ausland lebende Zyprer werden dadurch attraktiver gestaltet.
b) Wirtschaftswachstum und Modernisierungsimpulse
Die neuen Spielregeln fördern Gründergeist, Innovation und Wachstum. Unternehmen erleben Rechtssicherheit bei internationalen Geschäftsanbahnungen, Start-Ups und etablierte Unternehmen profitieren von föderlichen Rahmenbedingungen.
9. Herausforderungen bei der Umsetzung, politische Diskussionen und Ausblick
Die Debatte im Parlament war kontrovers – einige Parteien fordern eine stufenweise Einführung, die Regierung setzt sich für ein gesamthaftes Paket ein, um Einheitlichkeit zu gewährleisten. Ein endgültiger Beschluss ist für Dezember 2025 angekündigt. Das Finanzministerium muss nun in den kommenden Monaten intensive Überzeugungsarbeit leisten.
FAQ-Bereich für WordPress (optional integrierbar)
Wie verändert sich meine Steuerlast ab 2026 als Privatperson?
Je nach Familienstand und Einkommen profitieren Sie von höheren Freibeträgen und neuen Abzugsmöglichkeiten.
Was ändert sich für mein Unternehmen?
Der Körperschaftsteuersatz steigt auf 15%, Verluste werden großzügiger angerechnet, Dividendenausschüttungen und Sachdividenden werden neu behandelt.
Welche Investitionen werden steuerlich gefördert?
Aufwendungen im Zusammenhang mit Börsengängen, Innovationen und kollektiven Investmentfonds genießen neue steuerliche Vorteile.
Welche Sofortmaßnahmen gelten ab 2026?
Viele Änderungen treten zum 1. Januar 2026 in Kraft, u.a. neue Dividendenvorschriften, höhere Abzugsfähigkeiten und Streichungen von Verwaltungsauflagen.







