TSMC in der Krise? Warum die US-Tochter des Chipgiganten Milliarden verliert und was das für die Branche bedeutet

Eine Nachricht erschüttert jüngst die Halbleiterbranche: Die US-Tochter des weltgrößten Chipproduzenten TSMC meldet für das dritte Quartal 2025 einen historischen Gewinneinbruch – die Profite fallen im Vergleich zum Vorquartal auf ein Hundertstel. Was steckt hinter diesem Absturz, wie geht es weiter und welche Perspektiven bietet Arizonas Chipfabrik für die kommenden Jahre? Ein umfassender Blick hinter die Kulissen einer Industrie im Umbruch.

Gewinneinbruch im Eiltempo: Was ist passiert?

Die Kassen der amerikanischen TSMC-Tochter in Arizona blieben im dritten Quartal 2025 nahezu leer. Nur 1,3 Millionen Dollar blieben als Gewinn – nach umgerechnet 136 Millionen Dollar im Vorquartal. Das bedeutet einen Rückgang um mehr als Faktor 100. Der Grund: enorme Ausgaben für den Bau und die Modernisierung neuer Fertigungsanlagen. Besonders die zweite Fabrik (Fab 2) treibt die Kosten in die Höhe. Auch für die Zukunft erwartet das Management keine Wunder – bis die Produktion moderner 3-nm- und 2-nm-Chips 2027 angelaufen ist, bleibt die Ertragslage angespannt.

Baustelle Arizona: Warum TSMC so viel investieren muss

Hinter den Zahlen stecken strategische Entscheidungen und der politische Druck globaler Kunden – allen voran aus den USA. Seit dem Chip-Engpass der Pandemie verlangt die Politik eine Lokalisierung, bevorzugt auf amerikanischem Boden. Große IT-Konzerne wie AMD, Nvidia und Broadcom setzen TSMC unter Zugzwang.

Statt kurzfristiger Gewinnmaximierung investiert TSMC daher rund 165 Milliarden Dollar in den Ausbau der Fertigungskapazitäten in Arizona. Ziel ist der Aufbau einer modernen Chipindustrie in den Vereinigten Staaten, die sich mit dem asiatischen Mutterwerk messen kann. Doch bis die zweite Linie 2027 im 3-nm-Verfahren serienreif läuft und auf 2 nm getrimmt wird, bleibt das US-Geschäft ein massives Zuschussgeschäft.

Halbleitermarkt unter Druck: Konkurrenz, Kostenexplosion und Technologiehunger

Die Herausforderungen sind vielfältig: Vom weltweiten Mangel an qualifizierten Bau- und Technikarbeitskräften über explodierende Baukosten bis zur hochkomplexen Logistik von Hightech-Produktionsanlagen kämpft TSMC mit Verzögerungen und Preisspiralen. Zudem ist die Branche von rasantem technologischem Wandel geprägt. Wer den nächsten Technologiesprung verschläft, verliert in der Chipindustrie in kürzester Zeit den Anschluss.

Aktuelle Trends im Halbleitermarkt verschärfen die Situation: Die Nachfrage nach fortschrittlichen 3-nm- und 2-nm-Chips boomt, getrieben von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren. Schon jetzt entsteht ein globaler Engpass bei modernsten Prozessen – Kunden drängen auf beschleunigte Entwicklung und lokale Versorgungssicherheit.

Prognose: Wann rechnet sich das US-Abenteuer?

Analysten erwarten keine schnelle Wende. Das Management von TSMC rechnet frühestens 2027 mit dem Start der Massenproduktion im neuen Werk – bis dahin bleibt die Profitabilität in den USA unter Druck. Erst mit voller Auslastung und gestiegener Nachfrage nach 2-nm-Chips könnten Produktion und Verkauf die enormen Investitionen rechtfertigen.

Die Schlüsselstrategie: TSMC will durch den technologischen Vorsprung und langfristige Kundenverträge in den USA künftig Marktanteile gewinnen, selbst auf Kosten kurzfristiger Gewinne. Experten sehen den Halbleiterstandort Arizona als potenziellen Wachstumsmotor – wenn alles nach Plan läuft.

Pro & Contra: Der Bau-Boom als Risiko und Chance

Vorteile:

  • Positionierung als wichtiger US-Hersteller für High-End-Chips
  • Enger Schulterschluss mit globalen Techkonzernen
  • Resilienz der Lieferketten

Nachteile:

  • Massive Kapitalbindung und kurzfristige Verluste
  • Personal- und Ingenieursmangel in den USA
  • Langwierige Zertifizierung und Technologie-Updates

Hintergründe: So funktioniert die moderne Chipfertigung

Die Herstellung im 3-nm- oder 2-nm-Verfahren ist High-Tech pur: Winzigste Strukturen, Reinräume, spezialisierte Anlagen und permanente Optimierung sind nötig, um den technischen Wettlauf zu bestehen. Der Aufbau entsprechender Kapazitäten verschlingt Milliarden und braucht Jahre bis zur perfekten Massenfertigung.

TSMC zählt dennoch zur absoluten Weltspitze – die Werke auf Taiwan gelten als Benchmark. Das Ziel: In Arizona soll dies gelingen, um US-Kunden Versorgungssicherheit und modernste Technologie bieten zu können.

Ein Kraftakt mit offenem Ausgang

TSMC steht an einer Kreuzung. Der historische Gewinneinbruch ist kurzfristig ein Schock – langfristig setzt der Konzern alles auf Technologiesprung, Markteroberung und geografische Diversifikation. Für die globale IT-Branche bedeutet das: Die Halbleiterrennen bleiben spannend. Wer rechtzeitig investiert und lokale Produktion anbieten kann, wird zum Königsmacher der digitalen Transformation.

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