Die Schwierigkeit beim Bitcoin-Mining hat ihren Abwärtstrend vorerst gestoppt – und liefert damit ein wichtiges Signal für alle, die die Gesundheit des Netzwerks und die Rentabilität der Miner im Blick behalten. Trotz eines deutlichen Rückgangs des Bitcoin-Kurses und eines spürbaren Einbruchs der Rechenleistung bleibt das Netzwerk stabil, die Miner halten durch – aber sie arbeiten an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.
Wenn Kursdruck und Stromkosten aufeinanderprallen
Bitcoin hat eine seiner typischen Stressphasen hinter sich: Der Preis fiel im zweistelligen Prozentbereich, gleichzeitig brach der Hashrate zwischenzeitlich ein. In solchen Momenten taucht reflexartig die Frage auf, ob Miner kapitulieren, Geräte abschalten und das Netzwerk schwächer wird. Genau hier setzt der aktuelle Bericht an: Die neu berechnete Mining-Schwierigkeit steigt wieder leicht an – ein unscheinbarer Wert, der jedoch viel über den Zustand des Systems verrät.
Am 25. Dezember wurde die Mining-Schwierigkeit der größten Kryptowährung turnusgemäß neu justiert und legte minimal um 0,04 Prozent zu – auf rund 148,26 Billionen (T). Nach drei aufeinanderfolgenden Anpassungen nach unten ist das eine kleine, aber symbolträchtige Wende.
Was Mining-Schwierigkeit und Hashrate überhaupt aussagen
Schwierigkeit als Taktgeber des Netzwerks
Das Bitcoin-Protokoll verfolgt ein klares Ziel: Im Schnitt alle zehn Minuten soll ein neuer Block gefunden werden. Dazu passt die Software die Mining-Schwierigkeit etwa alle zwei Wochen an – basierend auf der tatsächlich eingesetzten Gesamt-Rechenleistung (Hashrate).
Vereinfacht gilt:
- Steigt die Hashrate stark, erhöht das Netzwerk die Schwierigkeit.
- Fällt die Hashrate, senkt das Protokoll die Schwierigkeit, damit der Blockabstand nicht zu groß wird.
Der aktuelle Wert von 148,26 T liegt etwas unter dem historischen Rekord von 155,97 T, der am 29. Oktober markiert wurde. Seit diesem Peak registrierte das System drei Rückgänge hintereinander: um 2,37 Prozent, 1,95 Prozent und 0,74 Prozent. Diese Korrekturphase ist nun vorerst beendet.
Hashrate bleibt im Zettahash-Bereich
Parallel zur Schwierigkeit lohnt der Blick auf die Hashrate. Trotz der jüngsten Belastungsprobe blieb die durchschnittliche Rechenleistung des Netzwerks oberhalb von 1 ZH/s – also einer Zettahash pro Sekunde. Die von Glassnode berechnete gleitende Sieben-Tage-Durchschnittslinie liegt bei rund 1,06 ZH/s.
Das zeigt zwei Dinge:
- Die kurzfristigen Einbrüche waren real, aber begrenzt.
- Die überwiegende Mehrheit der Miner arbeitet weiter, statt massenhaft die Stecker zu ziehen.
Eine Hashrate im Zettahash-Bereich unterstreicht, wie groß und verteilt das Netzwerk geworden ist – selbst bei hohem Kursdruck.
Was in den Wochen davor passiert ist
Drei Mal in Folge nach unten
Mit dem Rekordwert Ende Oktober schien das Mining-Geschäft zunächst auf einem Hoch zu laufen. Doch danach folgte eine Korrekturphase: Drei Difficulty-Anpassungen hintereinander gingen nach unten, zusammen um etwa 4 Prozent gegenüber dem Allzeithoch.
Im gleichen Zeitraum verlor der Bitcoin-Kurs rund 20 Prozent an Wert. Historisch betrachtet ist diese Kombination – fallender Preis, moderat sinkende Schwierigkeit – ein Muster, das in Phasen von Marktstress öfter zu beobachten ist. Sie deutet darauf hin, dass bestimmte Minergruppen aussteigen oder ihre Leistung drosseln, während robustere Betreiber durchhalten.
Debatte um Ursachen des Hashrate-Einbruchs
In der Mitte des Dezembers fiel die Hashrate spürbar, was sofort zu Spekulationen führte. Ein Teil der Beobachter machte Berichte über Schließungen von Mining-Farmen in der chinesischen Region Xinjiang durch Behörden für den Rückgang verantwortlich. Andere Experten warnten allerdings davor, diese Verbindung zu stark zu betonen und verwiesen auf zusätzliche Faktoren.
Als mögliche Einflussgrößen wurden unter anderem genannt:
- wetterbedingte Effekte und Kälteeinbrüche in den USA, die Stromnetze belasten
- saisonale Verschiebungen verfügbarer Energie in bestimmten Regionen
- individuelle Entscheidungen großer Betreiber, unprofitables Equipment abzuschalten oder zu verlagern.
Unterm Strich war der Rückgang der Hashrate deutlich, aber nicht dramatisch – und wurde durch die leichte Erholung sowie die stabile Durchschnittslinie abgefedert.
„Kapitulation der Miner“ – Prognosen und Realität
VanEck warnte vor Aufgabe unprofitabler Miner
Die Analyseabteilung des Vermögensverwalters VanEck kommentierte die Entwicklung mit dem Begriff „Kapitulation“: Demnach stünden besonders schwache oder hoch verschuldete Miner unter Druck, ihre Geräte abzuschalten, weil die Kombination aus gefallenem Bitcoin-Preis und hoher Schwierigkeit die Rentabilität auffresse.
Das Argument:
- Mining-Einnahmen in BTC bleiben gleich (Blockreward + Gebühren),
- der Marktwert dieser Einnahmen sinkt mit dem Kurs
- und gleichzeitig sind Stromkosten, Kreditzinsen und Wartung real, nicht virtuell.
In einem solchen Umfeld geraten Betreiber mit veralteter Hardware oder teurer Stromversorgung zuerst in die Verlustzone.
TheMinerMag: „Kapitulation bisher ausgeblieben“
Die Branchenseite TheMinerMag zieht jedoch eine andere Zwischenbilanz. Zwar bestätigt die Redaktion, dass sich die Difficulty gegenüber dem Oktober-Rekord um etwa 4 Prozent angepasst hat und der Bitcoin-Kurs im selben Zeitraum ungefähr ein Fünftel eingebüßt hat. Historisch führte ein solcher Auseinanderlauf häufig dazu, dass ineffiziente Miner aus dem Markt gedrängt wurden.
Dieses Mal sieht das Bild differenzierter aus:
„Bislang hat sich eine breite Kapitulation nicht materialisiert. Die begrenzte Reduktion der Schwierigkeit und die stabile Hashrate zeigen, dass das Netzwerk den ökonomischen Stress ohne großflächige Abschaltungen verkraftet.“
Mit anderen Worten: Es mag einzelne Abgänge geben, aber von einem massiven Exodus kann keine Rede sein.
Ökonomischer Druck: Hashprice und Profitabilität
Hashprice als zentraler Indikator
Ein Schlüsselbegriff in der Debatte ist der sogenannte Hashprice – also die Einnahme, die ein Miner pro eingesetzter Recheneinheit und Tag erzielt. Branchenportale wie Hashrate Index berechnen diesen Wert regelmäßig; aktuell liegt er bei ungefähr 38 US‑Dollar pro PH/s und Tag.
Das bedeutet:
- Ein Petahash pro Sekunde bringt Miner derzeit im Schnitt rund 38 Dollar Tagesumsatz.
- Daraus müssen Strom, Abschreibungen, Personal, Finanzierungskosten und Gewinnmargen bezahlt werden.
Viele Miner arbeiten damit dicht an der Kostengrenze, insbesondere wenn sie ältere ASICs mit schlechterem Effizienzverhältnis betreiben.
Schwierigkeit stabil – Druck bleibt
Die aktuelle Stabilisierung der Mining-Schwierigkeit bedeutet nicht, dass sich das Geschäft über Nacht erholt hätte. Sie signalisiert eher, dass das Netzwerk sich auf einem neuen Spannungsniveau eingependelt hat:
- Die Hashrate ist hoch genug, um die Sicherheit zu gewährleisten.
- Die Difficulty bleibt nahe ihres Rekordbereichs.
- Der Hashprice verharrt auf einem Niveau, das keine komfortablen Polster bietet.
Der ökonomische Stress ist also nicht verschwunden – er hat lediglich eine Form angenommen, mit der die Miner bisher umgehen.
Nachfrage-Seite: Wenn „Wale“ schneller kaufen als Miner liefern
Institutionelle Anleger greifen zu
Während die Miner um Margen kämpfen, gibt es ein anderes Segment im Bitcoin-Ökosystem, das die aktuelle Situation offensiv nutzt: große Anleger und institutionelle Player. Laut Analysen fließen im Dezember verstärkt BTC in die Wallets großer Marktteilnehmer.
Bemerkenswert ist eine Kennzahl: Die Kaufnachfrage der sogenannten „Wale“ überstieg die laufende Produktion der Miner zeitweise um etwa 13 Prozent. Einfach gesagt: Es wurden mehr Bitcoin eingesammelt, als im selben Zeitraum neu geschürft wurden.
Angebotssituation bleibt eng
Dieser Effekt hat mehrere Konsequenzen:
- Die frei zirkulierende Menge an kurzfristig verfügbarem BTC nimmt tendenziell ab, wenn ein größerer Teil langfristig gehalten wird.
- Miner können zwar verkaufen, um ihre Kosten zu decken, finden aber gleichzeitig starke Abnehmerseite.
- Der Preisdruck von der Miner-Seite wird teilweise durch die Kauflaune großer Akteure absorbiert.
Für die mittel- bis langfristige Perspektive deutet das auf ein Umfeld hin, in dem strukturelle Knappheit und hohe Nachfrage parallel wirken – selbst, wenn der Markt kurzfristig unter Druck steht.
Was das alles für das Bitcoin-Netzwerk bedeutet
Technische Stabilität trotz Stress
Aus Sicht der Netzwerksicherheit senden Hashrate und Difficulty ein eher beruhigendes Bild:
- Die Hashrate bewegt sich stabil im Bereich über 1 ZH/s.
- Die Difficulty liegt nur knapp unter dem Allzeithoch und ist nach drei Rückgängen wieder leicht gestiegen.
- Es gibt keine Hinweise auf großflächige Abschaltungen, die Blockzeiten massiv verzögern oder die Angriffsfläche stark erhöhen würden.
Das Netzwerk zeigt damit eine hohe Widerstandskraft gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen – ein Kernelement des Bitcoin-Designs.
Marktbereinigung im Hintergrund
Gleichzeitig dürfte im Hintergrund eine leise Marktbereinigung laufen. Weniger effiziente Miner werden durch den niedrigen Hashprice aus dem Wettbewerb gedrängt oder zu Fusionen, Standortwechseln und Hardware-Upgrades gezwungen.
Typische Anpassungsreaktionen:
- Umzug in Regionen mit günstigeren Strompreisen
- Verkauf alter, ineffizienter Hardware
- Zusammenschlüsse kleinerer Betreiber zu größeren Einheiten
- stärkere Professionalisierung von Risikomanagement und Finanzierung.
Dieser Prozess ist schmerzhaft, stärkt langfristig aber die durchschnittliche Effizienz und Stabilität des Mining-Sektors.
Einordnung für Miner und Anleger
Für Miner: Effizienz entscheidet über Überleben
Für Miner unterstreicht die aktuelle Lage eine altbekannte, aber oft verdrängte Wahrheit: Nicht die absolute Hashrate zählt, sondern die Effizienz pro eingesetzter Kilowattstunde. Wer im Wettbewerb bestehen will, braucht:
- moderne ASICs mit hohem Hash/Watt-Verhältnis
- Zugang zu möglichst günstiger, verlässlicher Energie
- solides Finanzpolster, um Preisphasen mit gedrücktem Hashprice zu überstehen.
Die jetzige Phase wirkt wie ein Stresstest, der zeigt, wer seine Hausaufgaben gemacht hat.
Für Anleger: Netzwerkgesundheit statt Panikblick auf den Kurs
Auf der Investorenseite ist es hilfreich, den Blick vom kurzfristigen Kursgezappel zu lösen und technische Kennzahlen wie Difficulty und Hashrate in die Bewertung einzubeziehen. Ein Netzwerk, das selbst bei Kursrückgang und regulatorischem Druck seine Rechenleistung auf Rekordniveau hält, sendet ein anderes Signal, als ein System, das bei jeder Korrektur in sich zusammenfällt.
Für langfristig orientierte Marktteilnehmer gilt:
- Kursrückgänge allein sagen wenig über die fundamentale Widerstandsfähigkeit des Systems aus.
- Die Kombination aus stabiler Hashrate, hoher Difficulty und starker Nachfrage auf der Käuferseite spricht für ein robustes Grundgerüst.
- Kurzfristige Risiken bleiben, aber sie spielen sich auf dem ökonomischen, nicht auf dem protokollarischen Level ab.
Leichtes Aufatmen – aber kein Entwarnungssignal
Die minimale Erhöhung der Bitcoin-Mining-Schwierigkeit um 0,04 Prozent mag unspektakulär wirken, ist aber ein wichtiges Signal: Der Abwärtstrend bei der Difficulty ist vorerst gestoppt, die Hashrate bleibt hoch, und eine breite Kapitulation der Miner ist bisher ausgeblieben. Das Netzwerk arbeitet stabil unter Last – genau so, wie es konzipiert wurde.
Gleichzeitig zeigt der Hashprice, dass viele Miner am Limit operieren und weiterhin unter Druck stehen. Wer ineffizient arbeitet, wird über kurz oder lang aussortiert, während starke Betreiber und institutionelle Käufer ihre Positionen ausbauen. Für Beobachter ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: technisch robust, ökonomisch angespannt – eine Konstellation, in der sich entscheidet, wer im nächsten Zyklus zu den Gewinnern gehört und wer nicht.






