Bitcoin-Miner werden zu KI-Rechenzentren
Die Geschäftsmodelle großer Bitcoin-Miner verändern sich grundlegend. Lange wurde der Wert eines Unternehmens hauptsächlich anhand seiner Hashrate, der Stromkosten und der produzierten Bitcoin beurteilt. Heute interessieren sich Investoren zunehmend für eine andere Kennzahl: Wie viele Megawatt Strom kann das Unternehmen für KI- und Hochleistungsrechenzentren bereitstellen?
Der Grund dafür ist einfach. Für den Ausbau künstlicher Intelligenz werden enorme Mengen an Strom, geeignete Grundstücke, leistungsfähige Netzanschlüsse und neue Rechenzentren benötigt. Genau über diese Ressourcen verfügen viele große Bitcoin-Miner bereits.
Der Wechsel vom Bitcoin-Mining zum KI-Rechenzentrum ist jedoch komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Ein Standort mit günstiger Energie ist noch lange kein fertiges KI-Rechenzentrum. Gleichzeitig sind die von Unternehmen veröffentlichten Milliardenwerte häufig langfristige Vertragsvolumen und keine bereits erzielten Umsätze.
Warum Bitcoin-Mining schwieriger geworden ist
Beim Bitcoin-Mining konkurrieren spezialisierte Rechner darum, neue Blöcke zu erzeugen. Die Einnahmen hängen vor allem von folgenden Faktoren ab:
- Bitcoin-Preis
- Netzwerk-Schwierigkeit
- eigener Hashrate
- Blocksubvention und Transaktionsgebühren
- Stromkosten
- Effizienz der eingesetzten ASIC-Miner
- Kühlungs- und Betriebskosten
Seit dem Bitcoin-Halving im April 2024 beträgt die Blocksubvention nur noch 3,125 Bitcoin. Gleichzeitig investieren große Betreiber weiterhin in leistungsfähigere Mining-Hardware. Dadurch steigt die Konkurrenz innerhalb des Netzwerks.
Für einen einzelnen Miner bedeutet eine steigende globale Hashrate nicht automatisch höhere Einnahmen. Entscheidend ist der eigene Anteil an der gesamten Rechenleistung. Wächst das Netzwerk schneller als die eigene Hashrate, sinkt bei ansonsten gleichen Bedingungen der erwartete Bitcoin-Ertrag pro eingesetztem Rechner.
Das Mining bleibt damit ein stark schwankendes Geschäft. Einnahmen reagieren unmittelbar auf Bitcoin-Preis, Netzwerk-Schwierigkeit, Stromkosten und Hardwareeffizienz.
Warum KI-Unternehmen so viel Strom benötigen
KI-Modelle werden auf großen Clustern aus Grafikprozessoren und anderen Beschleunigern trainiert und betrieben. Diese Systeme benötigen nicht nur viel Energie, sondern auch leistungsfähige Kühlung, schnelle Netzwerke und eine hohe Betriebssicherheit.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur stieg der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren 2025 um rund 17 Prozent. Bis 2030 könnte sich der gesamte Stromverbrauch der Rechenzentren gegenüber dem heutigen Niveau ungefähr verdoppeln. Bei speziell auf künstliche Intelligenz ausgerichteten Rechenzentren wird ein noch stärkeres Wachstum erwartet.
Das eigentliche Problem besteht häufig nicht darin, ausreichend Server oder Investitionskapital zu beschaffen. Schwieriger ist es, große zusätzliche Strommengen rechtzeitig an geeigneten Standorten bereitzustellen.
Neue Hochspannungsanschlüsse, Umspannwerke und Übertragungsleitungen benötigen lange Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten. Die Internationale Energieagentur warnt deshalb, dass ein erheblicher Teil der geplanten Rechenzentrumsprojekte durch Netzengpässe und Lieferprobleme verzögert werden könnte.
Der wahre Vermögenswert der Bitcoin-Miner
Viele Bitcoin-Miner besitzen genau jene Ressourcen, die für neue Rechenzentren knapp geworden sind:
- große Grundstücke
- genehmigte industrielle Nutzung
- bestehende Hochspannungsanschlüsse
- eigene oder nahe gelegene Umspannwerke
- Verträge mit Energieversorgern
- Erfahrung mit großen elektrischen Lasten
- vorhandene Kühlungs- und Stromverteilungssysteme
- Standorte in Regionen mit günstiger Energie
- Beziehungen zu Netzbetreibern und lokalen Behörden
Damit wird ein Bitcoin-Miner nicht automatisch zu einem KI-Unternehmen. Sein wertvollstes Gut ist aber häufig nicht mehr die installierte Mining-Hardware, sondern der kontrollierte Zugang zu Strom und geeigneten Flächen.
ASIC-Miner können ausgetauscht oder verkauft werden. Ein genehmigter Standort mit mehreren Hundert Megawatt Netzleistung lässt sich dagegen nicht kurzfristig ersetzen.
Drei unterschiedliche KI-Geschäftsmodelle
In Unternehmensmeldungen werden Begriffe wie AI, HPC, Colocation, Hosting und AI Cloud häufig vermischt. Wirtschaftlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche Geschäftsmodelle.
1. Grundstücks- und Rechenzentrumsvermietung
Das Unternehmen entwickelt ein geeignetes Rechenzentrum und vermietet Gebäude sowie Stromkapazität langfristig an einen Technologiekonzern oder Cloud-Anbieter.
Der Mieter stellt häufig die eigentlichen GPU-Systeme bereit. Der ehemalige Miner wird damit zu einer Art digitalem Infrastrukturvermieter.
Langfristige Mietverträge können besser planbare Einnahmen bieten. Dafür sind hohe Investitionen in Gebäude, Stromversorgung und Kühlung erforderlich.
2. Colocation und HPC-Hosting
Beim Colocation-Modell betreibt das Unternehmen die technische Infrastruktur und stellt Strom, Kühlung, Sicherheit und Netzwerkanbindung bereit.
Der Kunde installiert seine eigene Rechenhardware, zahlt aber für die Nutzung des Rechenzentrums und die bereitgestellte IT-Leistung.
Dieses Modell bietet potenziell höhere Einnahmen als die reine Vermietung. Gleichzeitig steigen die technischen und betrieblichen Anforderungen.
3. Eigene GPU-Cloud
Einige Unternehmen kaufen selbst GPUs und vermieten Rechenleistung direkt an Kunden. Sie betreiben damit eine eigene KI-Cloud.
Dieses Modell kann hohe Umsätze pro Megawatt erzeugen, benötigt aber besonders viel Kapital. Zusätzlich trägt der Betreiber das Risiko, dass die teuren GPUs technisch altern oder nicht ausreichend ausgelastet werden.
Ein Unternehmen mit eigener GPU-Cloud ist deshalb anders zu bewerten als ein Vermieter, dessen Kunde die gesamte Rechenhardware finanziert.
Warum eine Mining-Farm kein fertiges KI-Rechenzentrum ist
Bitcoin-Mining und KI-Rechenzentren benötigen beide viel Strom. Technisch unterscheiden sich die Anlagen jedoch erheblich.
| Bitcoin-Mining | KI- und HPC-Rechenzentrum |
|---|---|
| spezialisierte ASIC-Miner | GPU- und Beschleuniger-Cluster |
| Unterbrechungen meist möglich | hohe Verfügbarkeit vertraglich gefordert |
| einfache Netzwerkstruktur | extrem schnelle interne Netzwerke |
| vergleichsweise einfache Gebäude | komplexe, redundante Rechenzentrumsarchitektur |
| häufig Luft- oder Tauchkühlung | zunehmend Flüssigkeitskühlung mit hoher Leistungsdichte |
| Stromausfall führt hauptsächlich zu Produktionsverlust | Ausfälle können SLA-Verstöße und hohe Schäden verursachen |
| Hardware arbeitet weitgehend unabhängig | Tausende Systeme müssen eng miteinander kommunizieren |
| flexible Abschaltung möglich | kritische Lasten müssen häufig rund um die Uhr laufen |
Ein professionelles KI-Rechenzentrum benötigt unter anderem:
- redundante Stromversorgung
- unterbrechungsfreie Stromsysteme
- Notstromversorgung
- hochleistungsfähige Glasfaseranbindungen
- leistungsfähige interne Netzwerke
- komplexe Flüssigkeits- oder Hybridkühlung
- Brandschutz und physische Sicherheit
- Überwachung rund um die Uhr
- qualifiziertes Betriebspersonal
- vertraglich garantierte Verfügbarkeit
- häufig zusätzliche Zertifizierungen
Die Umrüstung kann daher mehrere Millionen US-Dollar pro Megawatt kosten. Cipher Digital kalkulierte bei einem seiner Projekte beispielsweise mit Baukosten von ungefähr 9 bis 10 Millionen US-Dollar je Megawatt kritischer IT-Leistung.
Welche Bitcoin-Miner bereits KI-Verträge besitzen
Bis 2026 haben mehrere frühere oder weiterhin aktive Bitcoin-Miner umfangreiche Verträge für KI- und HPC-Rechenzentren abgeschlossen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen angekündigter, vertraglich gebundener, im Bau befindlicher und bereits abrechenbarer Leistung.
Core Scientific
Core Scientific gehört zu den fortgeschrittensten Unternehmen beim Wechsel vom Bitcoin-Mining zu hochverdichteten Rechenzentren.
CoreWeave hat bei Core Scientific rund 590 MW kritische IT-Leistung an mehreren Standorten vertraglich gebunden. Das potenzielle Vertragsvolumen liegt über die überwiegend zwölfjährigen Laufzeiten bei mehr als 10 Milliarden US-Dollar.
Im März 2026 waren davon mehr als 185 MW bereits aktiv und abrechenbar. Rund 350 MW waren mit Strom versorgt. Die vollständige Bereitstellung der vereinbarten Leistung ist bis 2027 vorgesehen.
Core Scientific erklärte zudem, langfristig praktisch das gesamte geeignete Standortportfolio in Richtung High-Density-Colocation umzubauen. Bitcoin-Mining soll während der Umstellung teilweise weiterlaufen, ist aber nicht mehr der alleinige Mittelpunkt des Geschäftsmodells.
Die frühere Formulierung, Core Scientific werde zu einem festgelegten Datum vollständig aus dem Mining aussteigen, wäre zu eindeutig. Der Umbau erfolgt standortweise und hängt von Verträgen, Baufortschritt und bestehenden Verpflichtungen ab.
IREN
IREN verfolgt sowohl Bitcoin-Mining als auch den Aufbau einer eigenen KI-Cloud.
Im November 2025 unterzeichnete IREN einen Fünfjahresvertrag mit Microsoft über ungefähr 9,7 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen soll GPU-Infrastruktur mit rund 200 MW kritischer IT-Leistung bereitstellen.
Die Systeme sollen auf NVIDIA-GB300-GPUs basieren und in mehreren Phasen am Standort Childress in Texas aufgebaut werden. Microsoft leistete laut Unternehmensangaben eine Vorauszahlung von 20 Prozent.
IREN trägt bei diesem Modell einen größeren Teil des Hardware- und Auslastungsrisikos als ein reiner Immobilienvermieter. Dafür kann eine eigene GPU-Cloud höhere Umsätze pro Megawatt erzielen.
TeraWulf
TeraWulf entwickelt sich vom Bitcoin-Miner zu einem großen Vermieter und Betreiber von KI-Infrastruktur.
Im Juli 2026 unterzeichnete das Unternehmen einen 20-jährigen Mietvertrag mit Anthropic. Der geplante Campus in Kentucky soll ungefähr 401 MW kritische IT-Leistung bereitstellen.
TeraWulf beziffert die Einnahmen während der ersten Vertragslaufzeit auf rund 19 Milliarden US-Dollar. Die ersten Kapazitäten sollen jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 bereitgestellt werden. Der vollständige Ausbau ist für Anfang 2028 vorgesehen.
Das Beispiel zeigt besonders deutlich: Ein Vertrag über 19 Milliarden US-Dollar bedeutet nicht, dass das Unternehmen diesen Umsatz heute besitzt. Das Geld soll über zwei Jahrzehnte verdient werden und setzt voraus, dass das Rechenzentrum rechtzeitig gebaut, finanziert und an den Kunden übergeben wird.
Hut 8
Hut 8 hat sich von einem klassischen Bitcoin-Miner zu einer breit aufgestellten Energie- und Rechenzentrumsplattform entwickelt.
Nach Unternehmensangaben verfügte Hut 8 im August 2026 über 949 MW vertraglich gebundene IT-Kapazität. Das nominelle Vertragsvolumen während der jeweiligen Grundlaufzeiten beträgt insgesamt ungefähr 26,6 Milliarden US-Dollar.
Allein am Beacon-Point-Campus in Texas wurden zwei langfristige Mietverträge über zusammen 704 MW kritische IT-Leistung geschlossen.
Ein großer Teil dieser Leistung befindet sich allerdings noch in der Entwicklung. Anleger sollten deshalb zwischen abgeschlossenen Verträgen und bereits laufenden Mietzahlungen unterscheiden.
Cipher Digital
Cipher Digital änderte 2026 seinen Namen von Cipher Mining in Cipher Digital. Die Umbenennung verdeutlicht den strategischen Wechsel vom Bitcoin-Mining zur Entwicklung großer HPC-Rechenzentren.
Das Unternehmen meldete insgesamt rund 600 MW Bruttokapazität aus zwei großen Vertragskomplexen:
- einen 15-jährigen Vertrag mit Amazon Web Services
- einen zehnjährigen Vertrag mit Fluidstack, dessen Verpflichtungen teilweise von Google abgesichert werden
Der AWS-Vertrag besitzt nach Unternehmensangaben ein Volumen von ungefähr 5,5 Milliarden US-Dollar. Die Fluidstack-Verträge erreichen während ihrer ersten Laufzeit zusammen etwa 3,8 Milliarden US-Dollar.
Cipher baut die zugehörigen Anlagen noch aus. Die Verträge zeigen zwar eine starke Kundennachfrage, bringen aber erhebliche Finanzierungs-, Bau- und Ausführungsrisiken mit sich.
CleanSpark
CleanSpark verfolgte lange hauptsächlich eine Hybridstrategie: Bitcoin-Mining sollte weiterlaufen, während geeignete Grundstücke und Stromanschlüsse für KI- und HPC-Projekte entwickelt werden.
Im August 2026 meldete das Unternehmen seinen ersten großen HPC-Mietvertrag. Der Vertrag umfasst 175 MW kritische IT-Leistung, läuft 20 Jahre und besitzt ein angegebenes Vertragsvolumen von rund 6,6 Milliarden US-Dollar.
Die Auslieferung der ersten Kapazitäten ist erst ab dem vierten Quartal 2027 geplant.
CleanSpark bleibt gleichzeitig im Bitcoin-Mining aktiv. Das Unternehmen ist damit ein Beispiel für einen Betreiber, der nicht sofort zwischen Mining und KI entscheidet, sondern beide Geschäftsbereiche parallel entwickelt.
Bitdeer
Bitdeer betreibt Bitcoin-Mining, entwickelt eigene Mining-Chips und baut zugleich ein AI-Cloud- und Rechenzentrumsgeschäft auf.
Im August 2026 kündigte Bitdeer einen 16-jährigen KI- und HPC-Mietvertrag für seinen Standort Tydal in Norwegen an. Vorgesehen sind rund 121 MW kritische IT-Leistung. Das nominelle Vertragsvolumen beträgt während der ersten Laufzeit ungefähr 4,7 Milliarden US-Dollar.
Daneben betrieb Bitdeer im Juli 2026 mehr als 4.200 GPUs in seiner AI Cloud. Das Unternehmen bezifferte den annualisierten Umsatz dieses bereits bestehenden Cloudgeschäfts auf rund 76 Millionen US-Dollar.
Bitdeer zeigt damit die verschiedenen Stufen des Marktes besonders gut: klassisches Mining, eigene GPU-Cloud und langfristige Vermietung eines großen KI-Campus.
Milliardenvertrag ist nicht gleich Milliardenumsatz
Die hohen Vertragswerte der Unternehmen wirken beeindruckend. Sie dürfen aber nicht mit aktuellem Jahresumsatz oder sicherem Unternehmensgewinn verwechselt werden.
Ein angegebener Vertragswert kann umfassen:
- Mietzahlungen über 10, 15 oder 20 Jahre
- zukünftige Kapazitäten, die noch nicht gebaut sind
- automatische Preiserhöhungen während der Laufzeit
- Bedingungen zur rechtzeitigen Fertigstellung
- Verlängerungsoptionen, die noch nicht ausgeübt wurden
- Einnahmen vor Abzug von Finanzierungskosten
- weiterberechnete Strom- und Betriebskosten
Bei der Bewertung sollte deshalb nicht nur auf den größtmöglichen Milliardenbetrag geachtet werden.
Wichtiger sind folgende Fragen:
- Wie viele Megawatt sind bereits in Betrieb?
- Wie viele Megawatt erzeugen tatsächlich Umsatz?
- Wann beginnt die Mietzahlung?
- Wer finanziert den Bau?
- Wer bezahlt die GPUs?
- Wie kreditwürdig ist der Vertragspartner?
- Gibt es eine Bankgarantie oder einen finanziellen Rückhalt?
- Welche Bedingungen müssen vor Vertragsbeginn erfüllt werden?
- Wie hoch sind Zinsen, Baukosten und verbleibende Eigenkapitalbeiträge?
- Wie hoch ist der erwartete freie Cashflow?
Ein Vertrag kann wirtschaftlich attraktiv sein, obwohl das Unternehmen nur einen Teil der Investitionen selbst trägt. Er kann aber auch trotz eines großen Nominalwerts schwache Renditen erzeugen, wenn Baukosten, Finanzierung und Risiken überwiegend beim Betreiber liegen.
Planbarere Einnahmen, aber neue Risiken
Langfristige KI- und HPC-Verträge können die Abhängigkeit vom Bitcoin-Preis reduzieren. Viele Mietverträge sehen feste Zahlungen, jährliche Erhöhungen und lange Laufzeiten vor.
Daraus entsteht potenziell ein planbareres Geschäftsmodell als beim reinen Bitcoin-Mining.
Der Wechsel bringt jedoch neue Risiken mit sich:
Hoher Kapitalbedarf
Der Bau moderner KI-Rechenzentren kostet Milliarden. Unternehmen müssen häufig neue Kredite, Anleihen, Projektfinanzierungen oder Aktien ausgeben.
Für Aktionäre kann daraus eine erhebliche Verwässerung entstehen.
Bau- und Lieferkettenrisiken
Transformatoren, Schaltanlagen, Kühlsysteme und andere Komponenten besitzen teilweise lange Lieferzeiten. Verzögerungen können den Beginn der Mietzahlungen verschieben.
Abhängigkeit von wenigen Kunden
Viele Projekte sind auf einen einzigen Großkunden ausgerichtet. Core Scientific ist beispielsweise stark mit CoreWeave verbunden, während andere Projekte von Microsoft, Amazon, Google, Anthropic oder Fluidstack abhängen.
Ein langfristiger Vertrag reduziert zwar die Schwankungen, erhöht aber gleichzeitig das Konzentrationsrisiko.
Technologischer Wandel
GPU-Leistungsdichte und Kühlungsanforderungen entwickeln sich schnell. Ein heute geplantes Rechenzentrum muss auch kommende Chipgenerationen aufnehmen können.
Bewertungsrisiko
Aktienkurse können bereits stark steigen, bevor ein Standort fertiggestellt ist oder Umsatz erzeugt. Verzögert sich ein Projekt, kann die vorherige Neubewertung schnell wieder verloren gehen.
Bitcoin-Mining bleibt flexibler für das Stromnetz
Eine der wichtigsten Eigenschaften des Bitcoin-Minings ist seine Lastflexibilität. Mining-Anlagen können ihre Rechner kurzfristig herunterfahren, wenn Strompreise steigen oder das Netz belastet ist.
In einigen Regionen nehmen Miner deshalb an sogenannten Demand-Response-Programmen teil. Sie reduzieren ihren Verbrauch bei hoher Netzlast und können dafür Vergütungen erhalten.
Diese Fähigkeit ist jedoch keine Besonderheit von CleanSpark. Viele große Miner nutzen ähnliche Modelle.
KI-Rechenzentren sind normalerweise weniger flexibel. Ihre Kunden verlangen eine hohe Verfügbarkeit, und ungeplante Unterbrechungen können gegen vertragliche Service-Level verstoßen.
Einzelne KI-Aufgaben könnten zukünftig zeitlich oder räumlich verschoben werden. Ein vollständig ausgelastetes Rechenzentrum mit kritischen Kundensystemen kann aber nicht so unkompliziert abgeschaltet werden wie eine Bitcoin-Mining-Farm.
Der Wechsel zu KI verändert deshalb auch die Rolle dieser Standorte im Stromnetz.
Bedeutet der KI-Boom weniger Hashrate in den USA?
Wenn geeignete Mining-Standorte für KI-Rechenzentren umgebaut werden, kann dort tatsächlich Bitcoin-Hashrate verschwinden. Daraus folgt aber nicht automatisch ein dauerhafter Rückgang der US-amerikanischen oder weltweiten Hashrate.
Mehrere Entwicklungen können gleichzeitig stattfinden:
- alte Mining-Anlagen werden zu KI-Rechenzentren umgebaut
- moderne ASIC-Miner arbeiten effizienter als ältere Geräte
- Mining-Hardware wird an andere Standorte verkauft
- neue Mining-Kapazitäten entstehen in anderen Regionen
- einzelne Unternehmen betreiben KI und Mining parallel
- die Bitcoin-Schwierigkeit passt sich an veränderte Rechenleistung an
Die geografische Verteilung der Hashrate kann sich dadurch verändern. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch von Bitcoin-Preis, Stromkosten, Regulierung, Hardwareeffizienz und der Geschwindigkeit des KI-Ausbaus ab.
Die frühere Behauptung, der KI-Ausbau werde zwangsläufig große Teile der US-Hashrate ins Ausland verlagern, wäre daher zu spekulativ.
Worauf Anleger bei diesen Unternehmen achten sollten
Der Wechsel zur KI-Infrastruktur verändert auch die Bewertung der Aktien. Klassische Mining-Kennzahlen reichen nicht mehr aus.
Neben Hashrate und Bitcoin-Produktion werden folgende Angaben wichtiger:
- verfügbare Bruttoleistung in Megawatt
- kritische IT-Leistung
- vertraglich vermietete IT-Leistung
- bereits mit Strom versorgte Kapazität
- tatsächlich abrechenbare Kapazität
- Baubeginn und geplanter Übergabetermin
- Investitionskosten pro IT-Megawatt
- Anteil der Kundenfinanzierung
- Laufzeit und Struktur der Verträge
- Kreditqualität der Mieter
- erwartete Betriebsmarge
- Verschuldung und Zinskosten
- Aktienverwässerung
- Kundenkonzentration
- Glasfaseranbindung und Standortqualität
- Kühltechnik und Energieeffizienz
- verbleibende Wirtschaftlichkeit des Mining-Geschäfts
Besonders vorsichtig sollte man bei Unternehmen sein, die lediglich Grundstücke oder mögliche Stromkapazitäten präsentieren, aber noch keinen verbindlichen Kundenvertrag besitzen.
Ein geplanter Campus, eine unverbindliche Absichtserklärung und ein bereits laufender Mietvertrag sind wirtschaftlich drei völlig verschiedene Dinge.
Die neue Bewertungslogik
Der Markt bewertet ehemalige Bitcoin-Miner zunehmend wie Energie- und Rechenzentrumsentwickler.
Früher standen vor allem folgende Kennzahlen im Mittelpunkt:
- Hashrate
- Bitcoin-Produktion
- Energiekosten je Bitcoin
- Effizienz der ASIC-Miner
- eigene Bitcoin-Bestände
Heute kommen neue Faktoren hinzu:
- kontrollierte Stromleistung
- geeignete und genehmigte Grundstücke
- langfristige Kundenverträge
- Bau- und Finanzierungskompetenz
- kritische IT-Leistung
- Qualität der Vertragspartner
- Zeitpunkt der Umsatzrealisierung
Für einige Unternehmen kann der Umbau zu KI-Infrastruktur langfristig stabilere Cashflows ermöglichen. Andere werden an Baukosten, Finanzierung, Technik oder fehlenden Kunden scheitern.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist deshalb nicht einfach „KI statt Bitcoin“. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen aus einem bestehenden Stromanschluss tatsächlich ein pünktlich fertiggestelltes, finanziertes und langfristig vermietetes Rechenzentrum machen kann.
Die Hashrate verliert dadurch nicht vollständig ihre Bedeutung. Doch bei vielen ehemaligen Mining-Aktien wird künftig nicht mehr der schnellste ASIC-Miner den größten Unternehmenswert schaffen, sondern der wertvollste Megawattanschluss.
Stand der Informationen: 27. August 2026. Die genannten Vertragswerte beruhen auf Unternehmensangaben und stellen keine garantierten Gewinne oder Anlageempfehlungen dar.
Bitcoin-Miner entdecken ihre nächste Goldgrube – und sie hat mit GPUs statt mit Blocks zu tun. Während die Mining-Schwierigkeit weiter steigt und
