Griechenland zahlt EU-Schulden vorzeitig zurück – starkes Signal an die Märkte

Griechenland nutzt seine aktuelle Stärke an den Finanzmärkten, um einen symbolträchtigen Schnitt mit der Schuldenkrisen-Vergangenheit zu setzen: Das Land hat rund 5,3 Milliarden Euro an EU-Gläubiger aus dem ersten Rettungsprogramm deutlich früher zurückgezahlt.

Frühe Rückzahlung als Signal an Investoren

Die vorzeitige Tilgung betrifft Kredite aus der sogenannten Greek Loan Facility (GLF), die eigentlich erst nach 2031, teils sogar in den 2040er-Jahren hätten fällig werden sollen. Dass Athen diesen Block nun schon 2025 begleicht, werten EU-Institutionen und Beobachter als Vertrauenssignal an die Märkte und als Beleg dafür, dass Griechenland nicht mehr in der Logik der Dauerrettung feststeckt.

Nach Angaben lokaler Medien und europäischer Stellen spart der Staat durch die frühe Zahlung rund 1,6 Milliarden Euro an künftigen Zinskosten bis 2041 ein. Gleichzeitig trägt der Schritt dazu bei, die Schuldenquote schrittweise zu senken: Die Relation von Staatsschulden zu Wirtschaftsleistung soll bis 2029 unter 120 Prozent fallen – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Höchstständen der Krisenjahre.

Weniger Altlasten, aber weiter hohe Gesamtverschuldung

Trotz des Erfolgs bleibt die Gesamtverschuldung hoch: Mitte 2025 lagen die öffentlichen Schulden Griechenlands bei gut 403 Milliarden Euro, was etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die frühe Rückzahlung verbessert vor allem die Struktur des Schuldenbergs – längere, teurere Altlasten werden durch eine aktivere Schuldenstrategie ersetzt.

Finanziert wurde der Schritt nicht durch neue Kredite, sondern aus einem Sonderkonto, das im Zuge der Hilfsprogramme als Sicherheitsreserve aufgebaut worden war. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) und der EFSF hatten zuvor eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit andere Hilfskredite nicht im gleichen Verhältnis mitgetilgt werden müssen.

Lob aus Europa – und leise Kritik im Inland

ESM-Chef Pierre Gramegna spricht von einem „weiteren positiven Signal“ an die Finanzmärkte: Die Transaktion stärke die Schuldenstruktur Griechenlands und unterstreiche die verbesserte fiskalische Lage des Landes. Tatsächlich notieren griechische Staatsanleihen inzwischen zeitweise mit Renditen unter denen von Italien oder Frankreich – ein drastischer Kontrast zur Zeit, als griechische Papiere als „Ramsch“ galten.

Kritiker im Inland warnen allerdings, dass die Politik der frühen Rückzahlungen zwar die Kennzahlen verschönere, aber Liquidität binde, die im Land für Investitionen, öffentliche Leistungen oder Entlastungsmaßnahmen gegen die hohe Lebenshaltungskosten gebraucht würde. Die Regierung setzt dennoch auf das Argument, dass Vertrauen der Märkte und sinkende Zinskosten langfristig genau den Spielraum schaffen sollen, der heute noch fehlt.

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