Eine interstellare Besucherin trifft auf ein aufgeheiztes Sonnensystem: Die kometenhafte 3I/ATLAS kreuzt aktuell ausgerechnet jene Region, in der einer der größten Sonnenfleckenkomplexe der letzten Jahre aktiv ist – ein Szenario, das Astrophysiker fasziniert und Verschwörungsfans gleichermaßen elektrisiert. Während 3I/ATLAS sich bereits wieder vom Sonnenzentrum entfernt, liegt ihre Bahn noch auf der erdzugewandten Seite der Sonne und schneidet den Pfad möglicher Plasmaauswürfe genau in dem Moment, in dem der Riesen-Fleckenkomplex seine Energie entlädt.
Was gerade auf der Sonne passiert
Der Sonnenfleckenkomplex mit den Nummern 4294–4296–4298 zählt zu den größten Strukturen des laufenden Aktivitätszyklus und erreicht eine Fläche von über 2000 „Mikro-Hemisphären“, was ihn historisch in die Riege der besonders großen Aktivzentren einordnet. Auffällig ist sein Verhalten: Tage lang blieb er für seine Größe ungewöhnlich ruhig und zeigte keine stärkeren M- oder X-Flares, bevor es am 8. Dezember plötzlich zu einer ersten, kräftigen X1.1-Eruption sowie mehreren M-Klasse-Ausbrüchen kam – ein Hinweis darauf, dass zuvor enorme Energiemengen im Magnetfeld gespeichert worden sein müssen.
Solche aktiven Zentren entstehen, wenn starke Magnetfelder durch die Sonnenoberfläche brechen und dunkle, kühlere Flecken bilden, in deren Umgebung es immer wieder zu Strahlungsausbrüchen und koronalen Massenauswürfen kommt. Für die Erde sind solche Phasen relevant, weil sie geomagnetische Stürme, Polarlichter und zeitweilige Störungen bei Satelliten und Funkverbindungen auslösen können, wie auch aktuelle Meldungen über unerwartet starke Plasmaeinschläge zeigen.
Die besondere Rolle der interstellaren Kometen
3I/ATLAS gehört zu einer sehr exklusiven Objektklasse: Nach ʻOumuamua und 2I/Borisov ist sie erst die dritte bekannte interstellare Kometin, die das innere Sonnensystem durchquert und uns damit Informationen über andere Planetensysteme liefert. Ihre Bahn zeigt klar, dass sie nicht an die Gravitationsbindung der Sonne gekoppelt ist, sondern als „Durchreisende“ auf einer hyperbolischen Flugbahn vorbeizieht – ein kosmischer Gast, der nur einmal auftaucht und dann nie wiederkehrt.
Beobachtungen der NASA-Auswertungen zeigen, dass 3I/ATLAS schon im Mai und Juni 2025 auf Aufnahmen von Raumsonden zu sehen war, bevor sie einige Wochen später offiziell als interstellares Objekt identifiziert wurde. Am 19. Dezember erreicht die Kometin ihre größte Annäherung an die Erde, was die kommenden Tage zu einem besonders spannenden Zeitfenster für boden- und weltraumgestützte Teleskope macht.
Wenn Kometen durch Sonnenstürme fliegen
Spannend an der aktuellen Konstellation ist, dass Jet-ähnliche Plasmawolken oder koronale Massenauswürfe des Sonnenfleckenkomplexes theoretisch auf die Spur von 3I/ATLAS treffen können. Im Unterschied zu Planeten oder großen Monden besitzt der Komet nur eine extrem geringe Schwerkraft; seine Staubhülle und sein Gas-Schweif reagieren daher empfindlich auf Teilchenströme und Magnetfelder, was zu sichtbaren Veränderungen der Form oder Helligkeit führen kann.
Für die Erde ist die Begegnung zwischen Sonnenfleckenkomplex und Komet in erster Linie ein Forschungs-Schaufenster: Hochauflösende Instrumente können praktisch „live“ verfolgen, wie Sonnenplasma auf interstellares Material trifft und welche physikalischen Prozesse in der Koma und im Schweif ablaufen. Solche Daten helfen, Modelle von Weltraumwetter, Kometenphysik und Magnetfeldwechselwirkungen zu verfeinern – nicht nur für unser eigenes Sonnensystem, sondern auch im Hinblick auf fremde Sterne und ihre Planetensysteme.
Futter für Mythen – und für die Wissenschaft
Dass ein seltenes interstellares Objekt ausgerechnet dann durch das innere Sonnensystem fliegt, wenn ein rekordverdächtiger Sonnenfleckenkomplex aktiv ist, klingt fast nach Vorlage für Science-Fiction oder Verschwörungstheorien. Fachleute betonen jedoch, dass es sich dabei um einen zufälligen Überlagerungseffekt zweier unabhängiger Himmelsereignisse handelt, die zwar spektakulär aussehen, aber keine Apokalypse ankündigen.
Gerade deshalb eignet sich 3I/ATLAS perfekt, um öffentliches Interesse an seriöser Sonnen- und Kometenforschung zu wecken: Während soziale Netzwerke über vermeintliche Omen spekulieren, nutzen Observatorien weltweit die Chance, einzigartige Messdaten zu sammeln. Wer selbst einen Blick riskieren möchte, kann in den kommenden Nächten die aktuellen Ephemeriden und Sichtbarkeitskarten von internationalen Observatorien oder Raumfahrtagenturen konsultieren und sich auf die Jagd nach einem der seltensten Gäste unseres Sonnensystems machen.
